Reiten wie die alten Meister: 5 klassische Prinzipien für ein gesundes Pferd
Die Namen Xenophon, Guérinière oder Steinbrecht klingen für viele Reiter wie Echos aus einer fernen Vergangenheit. Ihre Lehren, verfasst in einer Zeit der Degen und gepuderten Perücken, scheinen wenig mit dem modernen Reitsport im Ruhrgebiet zu tun zu haben. Doch das ist ein Irrtum. Die Weisheit der alten Meister ist heute relevanter denn je, denn sie bietet zeitlose Antworten auf die drängendsten Fragen der Pferdegesundheit: Wie erhalte ich mein Pferd gesund? Wie baue ich es korrekt auf? Und wie erreiche ich echte Harmonie?
Dieser Artikel übersetzt die Lehren der größten Reitmeister der Geschichte in fünf konkrete, praktische Prinzipien, die Sie noch heute in Ihr Training integrieren können – für ein gesünderes, stärkeres und motivierteres Pferd.
1. Das Prinzip der Harmonie: „Zwang zerstört die Anmut“ (nach Xenophon)
Schon vor über 2.000 Jahren wusste der griechische General Xenophon, dass ein Pferd nur dann in Schönheit und Leichtigkeit erstrahlen kann, wenn es ohne Zwang ausgebildet wird. Er erkannte, dass ein Reiter, der sein Pferd mit harter Hand oder einem unausbalancierten Sitz stört, dessen natürlichen Gänge und seinen Charakter zerstört.
Was wir heute davon lernen können:
Echte Reitkunst beginnt mit dem Reiter. Ein losgelassener, ausbalancierter Sitz ist die Grundvoraussetzung für ein losgelassenes Pferd. Überprüfen Sie sich ständig selbst: Klemmen Sie mit den Knien? Halten Sie sich an den Zügeln fest? Jede Form von Zwang oder Blockade im Reitersitz unterbricht den Energiefluss und hindert das Pferd daran, seinen Rücken korrekt zu nutzen. Harmonie ist keine esoterische Floskel, sondern das Ergebnis harter Arbeit an sich selbst.
2. Das Prinzip der Gymnastik: „Die Piaffe ist die Basis, nicht das Ziel“ (nach Pluvinel)
Im Frankreich des 17. Jahrhunderts nutzte Antoine de Pluvinel die Piaffe nicht als Showlektion, sondern als tägliche Basisgymnastik. Für ihn war die Arbeit an der Hand und das Training auf der Stelle ein Mittel zur Geraderichtung, zur Aktivierung der Hinterhand und zur Vorbereitung auf alle weiteren Lektionen. Er wusste: Ein Pferd muss erst lernen, seinen Körper im Stand zu beherrschen, bevor es ihn in der Bewegung beherrschen kann.
Was wir heute davon lernen können:
Unterschätzen Sie niemals den Wert von korrekter Boden- und Handarbeit. Sie ist kein „Bespaßungsprogramm“, sondern ein zentraler Baustein für die Gesunderhaltung. Gezielte gymnastizierende Übungen an der Hand, wie das Schultervor, Seitengänge oder die ersten Tritte in Richtung Piaffe, sind essenziell, um die für das Reiten so wichtige Rumpf- und Tragemuskulatur aufzubauen – besonders im Reha-Training.
3. Das Prinzip der Geraderichtung: „Das Schulterherein ist die erste und letzte Lektion“ (nach Guérinière)
François Robichon de la Guérinière, der große Systematiker der Reitkunst, nannte das Schulterherein das „Aspirin der Reitkunst“ – es löst alle Probleme. Diese Lektion ist der Schlüssel zur Geraderichtung und zur Versammlung, denn sie lehrt das Pferd, mit dem inneren Hinterbein vermehrt unter den Schwerpunkt zu treten und so die Schulter anzuheben.
Was wir heute davon lernen können:
Das Schulterherein ist keine Lektion für S-Dressuren, sondern ein universelles Werkzeug für jedes Pferd, unabhängig vom Ausbildungsstand. Richtig ausgeführt, verbessert es die Biegung, fördert die Losgelassenheit und ist der erste Schritt zur Entwicklung von echter Tragkraft. Es ist die effektivste Übung, um der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegenzuwirken und es ins Gleichgewicht zu bringen.
4. Das Prinzip des Fundaments: „Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ (nach Steinbrecht)
Dieser berühmte Satz von Gustav Steinbrecht wird heute oft missverstanden. „Vorwärts“ bedeutet nicht „schnell“, sondern das fleißige Abfußen der Hinterbeine unter den Schwerpunkt. Steinbrecht legte damit den Grundstein für die moderne Ausbildungsskala.
Was wir heute davon lernen können:
Überspringen Sie keine Schritte in der Ausbildung. Echte Versammlung kann nicht erzwungen werden; sie ist das logische Ergebnis einer korrekten Basisarbeit. Erst wenn ein Pferd losgelassen und taktrein vorwärts geht ist es bereit für die nächsten Schritte der Geraderichtung und schließlich der Versammlung. Wer versucht, diesen Weg abzukürzen, wird immer nur eine künstliche Form statt echter Tragkraft erreichen.
5. Das Prinzip der Gesunderhaltung: „Versammlung ist das Ziel jeder Gymnastizierung“ (Synthese aller Meister)
Alle großen Meister waren sich in einem einig: Das Ziel der Dressur ist nicht die Lektion an sich, sondern die Gesunderhaltung und Langlebigkeit des Pferdes. Die Versammlung ist der physiologische Zustand, der es dem Pferd ermöglicht, den Reiter ohne Schaden zu tragen. Durch das Absenken der Hinterhand und das Anheben des Brustkorbs wird die Wirbelsäule entlastet und die Gelenke der Vorhand geschont.
Was wir heute davon lernen können:
Sehen Sie die Dressurarbeit nicht als Selbstzweck, sondern als Gesundheitsprogramm für Ihr Pferd. Jede Übung, von der einfachen Biegung bis zur Piaffe, sollte dem Ziel dienen, die Tragkraft Ihres Pferdes zu verbessern und es zu einem athletischen, ausbalancierten Partner zu machen. Eine Ausbildung, die auf den Prinzipien der klassischen Meister beruht, ist die beste Versicherung für ein langes und gesundes Pferdeleben.
Fazit: Klassische Reitkunst im Ruhrgebiet
Die Weisheit der alten Meister ist kein verstaubtes Relikt, sondern ein hochaktueller Leitfaden für pferdegerechtes Reiten. Wenn Sie im Raum Dortmund, Recklinghausen oder Unna nach einem Weg suchen, diese zeitlosen Prinzipien in die Tat umzusetzen, dann helfe ich Ihnen gerne dabei. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, Ihr Pferd nach den Lehren der großen Meister zu einem gesunden, stolzen und harmonischen Partner zu entwickeln.
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Jane Weber | Klassische Reitkunst & Mobiles Reha-Training im Ruhrgebiet