Mehr als nur den Hals fallen lassen: Das Vorwärts-Abwärts in der klassischen Reitkunst richtig verstanden

Das Bild eines Pferdes, das mit langem Hals und tief eingestelltem Kopf dehnungsbereit „vorwärts-abwärts“ läuft, ist aus der modernen Reiterei nicht wegzudenken. Es gilt oft als Inbegriff für Losgelassenheit und pferdegerechtes Training. Doch aus der Perspektive der klassischen Reitkunst ist dieses Bild weitaus differenzierter zu betrachten. Denn es kommt entscheidend darauf an, wie, wann und warum das Pferd diese Haltung einnimmt.

Das Vorwärts-Abwärts ist kein Allheilmittel und schon gar kein Selbstzweck. Es kann ein wertvolles gymnastisches Werkzeug sein – oder ein Wegbereiter für Verschleiß und falsche Bewegungsmuster. Als klassische Ausbilderin im Ruhrgebiet sehe ich es als meine Aufgabe, diesen feinen, aber entscheidenden Unterschied zu vermitteln.

Das klassische Prinzip: Tragkraft kommt von hinten, nicht von vorne

In der klassischen Reitkunst ist das oberste Ziel immer die Entwicklung der Selbsthaltung. Das Pferd soll lernen, sich aus eigener Kraft auszubalancieren, sein Gewicht auf die tragfähige Hinterhand zu verlagern und den Reiter mühelos zu tragen. Die Haltung des Halses ist dabei immer nur ein Ergebnis dieses Zustandes, niemals die Ursache.

Ein fallengelassener Hals allein ist kein Beweis für korrekte Gymnastizierung. Er kann auch ein Zeichen dafür sein, dass das Pferd auf die Vorhand fällt und sich auf dem Gebiss abstützt.

Das Vorwärts-Abwärts als gymnastisches Werkzeug: Wann es sinnvoll ist

Korrekt eingesetzt, ist das Vorwärts-Abwärts eine wertvolle Übung zur Dehnung und Lockerung der Oberlinie. Es ist dann sinnvoll, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

• Das Pferd sucht die Dehnung selbst: Der Hals wird nicht durch die Reiterhand nach unten gezogen, sondern das Pferd dehnt sich von sich aus an eine weich federnde Hand.

• Es ist eine Phase, kein Dauerzustand: Es dient als lösende Arbeit im Wechsel mit Phasen der relativen Aufrichtung und Versammlung.

In diesem Kontext ist das Vorwärts-Abwärts eine hervorragende Übung, um die Muskulatur nach anstrengenden Lektionen zu lockern oder das Training entspannt zu beginnen und zu beenden.

Das problematische Vorwärts-Abwärts: Wenn es zum Haltungsfehler wird

Problematisch und sogar schädlich wird das Vorwärts-Abwärts, wenn es zum Dauerzustand wird oder falsch ausgeführt wird. Dies ist der Fall, wenn das Pferd:

• die Hinterhand passiv hinter sich herschleppt,

• auf die Vorhand fällt und das Tempo als Ersatz für fehlende Tragkraft nutzt,

• sich mit dem Unterhals auf dem Gebiss „abhängt“ und den Rücken wegdrückt.

• dauerhaft in dieser Haltung über Jahre oder gar Jahrzehnte gearbeitet wird.

• Balanceverschiebungen zeigt und Taktfehler entstehen

Die Vorhand wird überlastet, die Muskulatur verspannt sich, und das Pferd lernt ein ungesundes Bewegungsmuster. Es entsteht keine Gymnastizierung, sondern Verschleiß.

Gutes Vorwärts-Abwärts (Gymnastik)Problematisches Vorwärts-Abwärts (Haltungsfehler)
Aktive Hinterhand, Rücken wölbt sich aufPassive Hinterhand, Rücken hängt durch
Pferd dehnt sich an die Hand heranPferd stützt sich auf die Hand/das Gebiss
Als lösende Phase im Wechsel mit VersammlungAls permanente Haltung geritten
Führt zu mehr Tragkraft und BalanceFührt zu Vorhandlastigkeit und Verschleiß

Fazit: Ein Werkzeug, kein Ziel

Das Vorwärts-Abwärts ist weder pauschal gut noch schlecht. Es ist ein Werkzeug, dessen Wert von der korrekten Anwendung abhängt. In der klassischen Reitkunst ist es eine wertvolle, lösende Übung, die eher als Pausenhaltung gedacht ist.

Das eigentliche Ziel ist und bleibt ein Pferd in Selbsthaltung, das sich aus eigener Kraft trägt. Wenn Sie im Raum Dortmund, Recklinghausen oder Unna lernen möchten, wie Sie das Vorwärts-Abwärts als sinnvolles gymnastisches Werkzeug für Ihr Pferd nutzen können, um es gesund und stark zu machen, dann unterstütze ich Sie gerne dabei.

Jane Weber | Klassische Reitkunst & Mobiles Reha-Training im Ruhrgebiet